Schäden an Hinterglasbildern

Die Wahl eines bestimmten Materials ist in jeder Kunst durch sehr eindeutige Vorteile begründbar. Bei der Hinterglasmalerei wurde der Bildträger Glas hauptsächlich wegen des optischen Effekts gewählt. Damit mußte jedoch der Nachteil in Kauf genommen werden, daß zwischen dem Silikatglas und den Bindemitteln der Farbschichten ein nur wenig belastbarer Verbund vorliegt, der eine Langzeitstabilität nur unter sehr konstanten und milden Umgebungsbedingungen gewährleistet.
In der Malerei auf Leinwand oder Holz verankern sich die flüssigen Anteile der Grundierung durch Kapillarkräfte bis tief in die Poren des Bildträgers. Dieses System setzt sich durch den gesamten Malschichtaufbau hindurch fort. Eine ähnliche Verankerung ist in der Grenzschicht zwischen dem Bildträger Glas mit seiner geschlossenen, glatten Oberfläche und der aufgetragenen Malschicht an Hinterglasbildern nicht möglich. Die Haftung entsteht ausschließlich durch Adhäsionskräfte zwischen Bindemittel und Malerei. Ungeklärt bleibt in diesem Zusammenhang der Einfluß möglicher transparenter Grundierungsschichten.
 

Malschichtalterung

Physikalische und chemische Vorgänge bedingen die Alterung von Malschichten. Durch strukturelle Veränderungen des Bindemittels zeigen sich Schwächen in der Elastizität des Malschichtaufbaues. Die klimatischen Einflüsse des Umfeldes können zu erheblichen Spannungen innerhalb des Gefüges führen. Aufgrund von Unterschiedlichen Ausdehnungen wirken sich diese Einflüsse vor allem auf die Grenzschicht zwischen Malschicht und Glasoberfläche aus.
Temperaturschwankungen durch Wärme und Licht sowie vor allem der Einfluß von Feuchtigkeit können zu umfangreichen Schäden führen. Die Aufnahme und Abgabe von Wasserdampf bewirkt Quellungs- und Schrumpfungsprozesse und setzt die Haftung zur Glasscheibe deutlich herab.
 

Schadensphänomene

Die Kombination struktureller Veränderungen und klimatischer Einflüsse führt zu ausgeprägten Rißschäden innerhalb der Malschicht und zu blasenförmigen Ablösungen entlang der Grenzschicht. Die optische Wahrnehmung der Hinterglasmalerei wird hierdurch stark beeinträchtigt. Die Farbe erscheint in diesen Bereichen silbrig-grau und trübe. In fortgeschrittenem Stadium lösen sich die schollenförmigen Partikel gänzlich vom Träger und gehen durch geringste Erschütterungen verloren.
Auch der Bildträger selbst kann als korrodiertes Glas Malschichtdeformationen verursachen.
Hohe Feuchtekonzentrationen bilden einen idealen Nährboden für Mikroorganismen. Schimmelpilze und deren Stoffwechselprodukte bauen das Bindemittel der Malschicht ab und schwächen sein Haftungsvermögen.