Techniken der Hinterglasmalerei
Maltechnisch gesehen ist unter Hinterglasmalerei die Verzierung eines transparenten Bildträgers zu verstehen, wozu nebst Glas ebenso Bergkristall, Bernstein, Glimmer oder Schildpatt zählen, soweit sich die Dekoration - vom Betrachter aus gesehen - hinter dem Träger befindet und an diesem unmittelbar haftet. Neben Malfarben kommen auch aufgeklebte Materialien wie Metallfolien (z.B. Blattgold), Metallpulver, bemaltes Papier oder Pergament, Spiegelbelag oder kolorierter Kupferstich als Dekorationselemente in Frage. Der Malvorgang verläuft im Vergleich zur Tafelmalerei in umgekehrter Reihenfolge, da der Malgrund zugleich die Schauseite ist.
Dazu wird eine Vorlage, ein sog. Riß angefertigt, unter eine Glastafel gelegt, die dem Maler zugewandte Seite des Glases verziert und nach Abschluß der Arbeiten umgedreht. Die Betrachterseite ist nun die spiegelnde Seite und nicht die bemalte. Zu beachten ist, daß bei der Verwendung einer Vorlage diese zuvor umkopiert werden muß, um nicht eine seitenverkehrte Darstellung zu erhalten. Der Riß wird vom Maler selbst entworfen, nach grafischer Vorlage angefertigt, von Stichen, Drucken und Zeichnungen ausgehend komponiert.
Hinterglasbemalung
Trügerische Hinterglasmalerei
Die am häufigsten anzutreffende Art, ein Glas von hinten zu dekorieren, ist die Hinterglasbemalung. Als bevorzugte Farbe des Hinterglasmalers diente Ölfarbe, aber auch Temperafarbe. Die Art der Unterlegung eines Hinterglasbildes beeinflußt in erheblicher Weise die Aussage einer Darstellung und wurde vom Maler als Hilfsmittel auch bewußt eingesetzt.
Vereinfachen konnte sich ein Hinterglasmaler die Ausführung des komplizierten rückwärtigen Malvorganges, indem ein Bildträger aus Pergament, Papier, Karton, Leinwand, Seide, Elfenbein, Metallfolie, Kupferstiche, u.a. bemalt oder bedruckt und anschließend auf eine Glastafel geklebt wurde, um die Hinterglastechnik vorzutäuschen. Folgerichtig spricht man von Trügerischer Hinterglasmalerei.
Gold- und Silberradierung
Amelierung
Blattgold und Blattsilber dienten als häufig eingesetztes Dekorationsmittel, entweder direkt auf den Bildträger geklebt oder nachträglich auf die bereits gemalte Farbe aufgebracht. Bei einer Metallradierung wurden auf Glas aufgeklebtes Blattgold oder Blattsilber bzw. aufgemalte Metallpulver, wie Muschelgold oder Muschelsilber radiert - entsprechend Goldradierung oder Silberradierung genannt. Meist macht ein in kontrastierendem Farbton deckend gemalter oder hinterlegter Grund die Radierung leichter lesbar, ist aber nicht zwingend notwendig.
Eine besondere Variante der Metallradierung ist die Amelierung. Der Begriff findet sich in den Quellen wohl erstmalig Anfang des 16. Jhs. in Nürnberg. Die Amelierung besteht aus drei hintereinander aufgebrachten Schichten: aufgeklebte Blattmetalle und/ oder aufgemalte Metallpulver wurden radiert, anschließend mit Lüsterfarben (transluzide, mit Farblacken eingefärbte Bindemittel) bemalt, die mit einer hinterlegten oder partiell hinterklebten glatten oder geknitterten Metallfolie aus Silber oder Zinn zum Leuchten gebracht wurden.
Eglomisé
Wird die Schichtenabfolge des maltechnischen Aufbaus einer Amelierung umgekehrt, also zuerst die Lüsterfarbe oder auch schwarze Malfarbe, anschließend das Blattmetall ist die Bezeichnung Eglomisé korrekt. Fälschlicherweise wurde der Begriff allgemein auf alle mit Gold oder radiertem Gold arbeitenden Hinterglastechniken angewendet - in der englischsprachigen Literatur als 'verre églomisé' bekannt.
