Über Hinterglasmalerei
Die Hinterglasmalerei umfaßt einen bedeutenden Teil innerhalb der Kunst, obwohl die in Masse produzierten volkstümlichen Hinterglasbilder des 18./ 19. Jahrhunderts dazu verleitet haben, die gesamte Hinterglaskunst zu Unrecht der Volkskunst zuzuweisen. Hinterglasarbeiten waren jedoch vielfach außerordentliche Kostbarkeiten und erhielten zu ihrer Zeit größte Wertschätzung. Bereits das Material - wasserklares, blasen- und schlierenfreies Glas war schwer zu beschaffen - machte die Malerei höchst wertvoll. In Gold und Silber gefaßte, hintermalte Doppelwandschalen und Prunkhumpen waren Luxusgüter und wurden für die Schatz- und Wunderkammern der Höfe Europas erworben. Hinterglasmalerei gehörte also zu jenen handwerklich anspruchsvollen und gesellschaftlich hoch geschätzten Techniken, die der herrschaftlichen Repräsentation dienten.
Weit verbreitet ist nach wie vor die falsche Vorstellung, daß es sich bei Hinterglasmalerei um die zumeist bei Kirchenfenstern vorliegende Glasmalerei handeln würde. Wie die Glasmalerei nutzt zwar auch die Hinterglasmalerei das Glas als Trägermaterial; die Glasmalerei wird aber vor allem mit durchgefärbten Gläsern gestaltet und die Schwarzlotmalerei auf den Träger aufgebrannt. Im Gegensatz dazu wurden Malfarben in der Hinterglasmalerei nicht gebrannt, weshalb auch der Begriff "Kaltbemalung" eingeführt wurde. Während Hinterglasbilder bei Auflicht ihre Wirkung erzielen, benötigen Kirchenfenster zur Entfaltung ihrer Wirkung durchscheinendes Licht. Die grundlegenden Unterschiede liegen somit in der Art der Beleuchtung, im Bearbeitungsprozeß und darüber hinaus in den einzusetzenden Materialien.
