Geschichte der Hinterglasmalerei
von der Antike bis zum 14. Jahrhundert
Früheste Werke von Verzierungen hinter Glas lassen sich bis in die minoische (1500 v. Chr.) und späthellenistische Zeit zurückverfolgen. Schalen, Becher- und Schalenböden sowie Schmuckstücke wurden in der Zwischengoldtechnik bis in das 4. Jh. n. Chr. verziert. Im 13. Jh. war diese Technik, die in Byzanz seit der Spätantike überlebt hatte in Italien nachweisbar und entfaltete sich auch nördlich der Alpen bis in die nordeuropäischen Länder.
Zunächst wurden kleinformatige, hintermalte, z.T. goldhinterlegte Tafeln als Einlagen an Gebäudeteilen eingearbeitet sowie an liturgischen Geräten wie Reliquiare, kleine Truhen und andere kirchliche Behältnissen.
15. bis 16. Jahrhundert
Seit dem 15. Jh. und weit in das 16. Jh. hineinreichend entstanden in Nord- und Mittelitalien (Lombardei, Südtirol/ Venetien), in Deutschland (Köln, Nürnberg), in Burgund und Flandern religiöse Bilder für Hausaltäre und Kußtafeln, aber auch profane Werke für Herrscherhäuser und den Hochadel. Am Ende des 15. Jhs. entwickelte sich am Niederrhein und in Süddeutschland der Brauch der Schenkung von Wappenscheiben für Fenster.
Als Kabinettscheiben nicht mehr von Interesse waren, mußten die Glasmaler auf andere Kunstzweige ausweichen: einige von ihnen wurden Hinterglasmaler. Neben der Schweiz hatte sich zeitgleich auch in Südtirol, vorrangig im Fürstentum Trient bereits zu Beginn des 16. Jhs. ein blühendes Kunsthandwerk entwickelt, das zahlreiche hintermalte Wandbilder und Glasgefäße (Teller, Schalen, Fußschalen) hervorbrachte.
17. bis 18. Jahrhundert
Die Technik der Amelierung der Nürnberger Hinterglasmalern des 16. Jhs. lebte in der Schweizer Hinterglaskunst der ersten Hälfte des 17. Jhs. weiter und erreichte hinsichtlich des Reichtums malerischer Mittel ein hohes künstlerisches Niveau, z.B. bei Tischgefäßen in Form von Doppelwandschalen und Prunkhumpen. Neben der Hinterglasmalerei als Wandschmuck traten Anfang des 18. Jhs. dekorierte Hohlgläser aus Schlesien, Böhmen und Sachsen (Zwischengoldgläser) auf.
Es bildeten sich Hinterglaszentren aus unterschiedlicher Herstellungstradition heraus: im Nahbereich der böhmisch-schlesischen Glashüttengebiete mit ihrer hochentwickelten Glaskunst entstanden in Schlesien und Nordböhmen und von dort ausgehend im Grenzgebiet des Böhmerwaldes sowie in Südböhmen und Oberösterreich Hinterglasbilder, die in Masse für die bäuerliche Bevölkerung produziert wurden. Daneben gab es in Deutschland (Augsburg, Oberbayern, Franken, Sachsen) sowie in der deutschsprachigen Schweiz (Sursee, Großwangen) eine von Malerhandwerkern auf hohem Niveau ausgeübte Hinterglaskunst.
19. bis 21. Jahrhundert
Parallel dazu entstanden in China unter europäischem Einfluß, in England, Rumänien, Polen, Spanien, Süditalien, Nordamerika, Persien und Indien bis weit in das 19. Jh. hinein Hinterglasarbeiten. Anfang des 20. Jhs. hatte sich das Kaufinteresse an hintermalten Bildern verloren. Eine Wiederbelebung der Hinterglasmalerei und gleichzeitige Aufwertung der Volkskunst erfolgte im Expressionismus durch die Mitglieder der Münchner Künstlervereinigung 'Der Blaue Reiter'. Neben Gabriele Münter und Wassily Kandinsky nahmen sich rheinische Expressionisten wie Heinrich Campendonk und August Macke der Hinterglaskunst an, so auch Oskar Schlemmer und Kurt Schwitters in den 40iger Jahren.
Im damaligen Jugoslawien und in Polen entwickelten sich in den 60/ 70iger Jahren Hinterglasschulen der naiv malenden Künstler wie Ivan Generalic. Im Senegal entstanden Ende des 20. Jhs. farbenfrohe Hinterglasbilder sowie in China gläserne, von innen bemalte Schnupftabakfläschen. Als deutsche Malerpersönlichkeiten des 21. Jhs. sind u.a. Wolfgang und Hella Lenz in Würzburg, Erna Emhardt in München und Erwin Pohl in Furth zu nennen.
